Jetzt MitTUN: Auf Fleisch verzichten

Noch so ein heißes, grünes Eisen – Fleischverzicht. Und nicht nur das, sondern der weitgehende Verzicht auf tierische Produkte, also z.B. auch auf Milch, Eier oder Butter; Lebensmittel, die selbstverständlich und in vielen Formen zu unserem Alltag gehören. Aber warum sollen wir anders essen? Aus gesundheitlichen Gründen? Aus Respekt vor dem Tier? Ja. Aber auch, um unser Klima und die Artenvielfalt zu schützen. Denn die Produktion und der Verzehr von tierischen Lebensmitteln haben gravierende Folgen für Mensch, Tier und Umwelt.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 300 bis 600 g Fleisch pro Woche und dabei mehr Geflügel als rotes Fleisch. Aktuell liegt der tatsächliche Fleischkonsum in Deutschland bei 1.100 g pro Woche bei Männern, bei den Frauen sind es 590 g/Woche. Gesund ist das nicht. Wohlstandskrankheiten wie koronare Herzerkrankungen, Schlaganfall und Diabetes mellitus Typ 2 sowie Dickdarm- und Brustkrebs werden dem hohen Fleischkonsum zugeschrieben.

Wer auf Fleisch verzichtet und das Fleisch, das er isst, aus lokalen Quellen und in Bio-Qualität bezieht, der isst nicht nur sich selbst gesund, sondern macht auch unsere Erde gesünder.

In Deutschland werden pro Jahr rund 55 Millionen Schweine, etwa 653 Millionen Hühner und über 3 Millionen Rinder geschlachtet. Deutlich vor Augen geführt wurden uns diese absurd hohen Zahlen, als im vergangenen Jahr große Schlachthöfe coronabedingt schließen und wöchentlich Millionen von Schlachttieren „zwischengeparkt“ werden mussten.

Die Folgen der (Massen-)Tierhaltung und des Futtermittelanbaus sind mannigfaltig und folgenschwer:

Bei der Massentierhaltung werden Tiere in viel zu kleinen Stallungen gehalten, haben weder Platz noch Auslauf oder Abwechslung und werden durch die Haltungsbedingungen so krank, dass es zum routinemäßigen Einsatz von Antibiotika kommt. Durch den massenhaften Einsatz von Antibiotika entstehen mutiresistente Keime. Diese bedrohen auch uns Menschen.

Bei der sogenannten Intensivmast ist alles darauf angelegt, dass die Tiere möglichst schnell zunehmen und so schnell wie möglich geschlachtet werden können. Ein Schwein wiegt hier nach sechs Monaten etwa 110 kg und ist damit schlachtreif. Der Futterbrei, den die Tiere erhalten, ist besonders energiereich und enthält Soja. Pro Jahr importiert Deutschland 4,5 Millionen Tonnen Soja-Schrot und beansprucht damit knapp 3 Millionen Hektar Anbaufläche im Ausland. Für den Sojaanbau wird auch Regenwald gerodet. Soja wird hauptsächlich in Monokulturen angebaut. Dabei kommen große Mengen an Pestiziden und chemischen Düngern zum Einsatz, die nicht nur das Grundwasser, sondern auch die Artenvielfalt gefährden. Zudem ist der Boden nach wenigen Jahren so ausgelaugt, dass immer wieder neue Fläche gebraucht werden. Bereits jetzt handelt es sich bei den in Lateinamerika angebauten Sojapflanzen zu zwei Dritteln um genmanipulierte Pflanzen. Der Anbau von genmanipuliertem Soja ist in der EU verboten, als Futtermittel und damit auch in Fleisch, Käse und Eiern findet das genmanipulierte Soja jedoch seinen Weg zu uns.

Die für die Tierhaltung und Futtermittelherstellung gebrauchte Fläche ist so groß, dass immer mehr natürliche Habitate unwiederbringlich zerstört werden. Für ein Kilogramm Schweinefleisch werden z.B. 9 bis 12 Quadratmeter Nutzfläche beansprucht. So werden Räume für Wildtiere zerstört und der Kontakt zwischen Mensch und Wildtier wird immer enger, was die Übertragung von Viren begünstigt und zu Pandemien führen kann.

Die Tierhaltung gehört zu den Hauptverursachern der globalen Erderwärmung. Durch die Abholzung von Wäldern und die Trockenlegung von Mooren kann immer weniger CO2 gebunden werden. Hinzu kommen das von den Tieren ausgestoßene Methan und die Emissionen bei der Futtererzeugung. Wer auf tierische Produkte verzichtet, reduziert somit auch den Ausstoß von Treibhausgasen (CO2-Äquivalenten). Für jedes Kilogramm Rindfleisch werden etwa 13 kg Treibhausgase emittiert, bei einem Kilogramm Geflügel sind es 4 kg, bei einem Kilogramm Schweinefleisch 3 kg. Auch Milchprodukte haben eine vergleichsweise schlechte CO2-Bilanz: 1 kg Butter verursacht einen Ausstoß von 23 kg CO2, 1 kg Käse 7 bis 8 kg CO2.

Zudem entstehen durch die Massentierhaltung Unmengen an Gülle. In Deutschland werden jährlich 200 Millionen Kubikmeter Gülle ausgebracht. Das belastet unser Grundwasser mit gesundheitsschädlichem Nitrat.

Fleischkonsum macht 1/4 unseres virtuellen Wasserfußabdrucks aus. Wer auf Fleisch verzichtet, spart pro Kilogramm Rindfleisch rund 15.400 l virtuelles Wasser (99% allein für den Anbau von Futtermitteln), pro Kilogramm Schweinefleisch 6.000 l und pro Kilogramm Hühnerfleisch 4.300 l virtuelles Wasser. Ein einzelnes Ei kommt auf 135 l und ein Glas Milch (200 ml) auf 200 l.

Wenn wir all das lesen, dann sehen wir, dass wir einen Anteil an diesen Entwicklungen haben und dass es auch an uns ist, etwas zu ändern. Es ist wichtig, dass wir viel bewusster konsumieren und uns die Vorgänge vor Augen führen, die hinter dem Produkt stehen.

Weniger Fleisch und Fleisch aus lokalen Quellen in Bioqualität bedeutet Gesundheit für Mensch, Tier und Umwelt. Das bedeutet artgerechte Haltung und eine gerechte Bezahlung für die Bauern, die für ausreichend Platz und Bewegung sorgen, die ausschließich ökologisch erzeugtes und gentechnikfreies Futter verwenden, auf Antibiotika verzichten und den Tieren eine längere Lebenszeit geben. Von dieser Kette aus Wertschätzung, angefangen beim Sich-bewusst-Werden bis hin zum bewussten Verzicht profitieren am Ende alle.

In diesem Monat mache ich daher folgendes:

  • Ich informiere mich über die Folgen meines Fleischkonsums für Tier, Mensch und Umwelt.
  • Ich schaue mir meinen Fleischkonsum an und welche tierischen Produkte noch auf meinem Speiseplan stehen und wie häufig ich sie esse.
  • Ich schaue mir bewusst Ersatzprodukte an, probiere sie aus und integriere sie in meinen Speiseplan (z.B. Margarine oder Pflanzenöl anstelle von Butter, Hafer- statt Kuhmilch, etc.).
  • Ich suche mir vegetarische und vegane Rezepte und koche diese nach.
  • Ich esse bewusst an mehreren Tagen in der Woche vegetarisch oder vegan.
  • Ich schaue mir an, wo meine Lebensmittel herkommen und wo ich lokale, biologisch produzierte Alternativen finde.

Mach mit!

Britta Gehle

Quellen:
https://www.dge.de/presse/pm/gut-fuer-die-gesundheit-viel-gemuese-und-obst-weniger-fleisch/, https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/massentierhaltung/massentierhaltung_fleischatlas_2021.pdf, https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/massentierhaltung/bildungsmaterial_fleischkonsum.pdf, https://www.quarks.de/umwelt/klimawandel/klimaschutz-so-kannst-du-selbst-co2-sparen/, https://www.regenwald-schuetzen.org/regenwald-wissen/regenwald-und-klimaschutz/was-ist-virtuelles-wasser, https://www.bpb.de/veranstaltungen/netzwerke/teamglobal/67566/warm-up-virtuelles-wasser, https://www.wasser-macht-schule.de/sekundarstufe/virtuelles-wasser/

Weiterführende Links:

BUND: Fleischatlas 2021. Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel: https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/fleischatlas-2021/?gclid=EAIaIQobChMIl_2Yx9LD8AIVDxoGAB0DFQnpEAAYASAAEgLmkvD_BwE

BUND: Was unser Fleischkonsum mit Umweltproblemen zu tun hat: https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/was-unser-fleischkonsum-mit-umweltproblemen-zu-tun-hat/

WWF: Der Appetit auf Fleisch und seine Folgen: https://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/ernaehrung-konsum/fleisch/der-appetit-auf-fleisch-und-seine-folgen

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.: 14. DGE-Ernährungsbericht: https://www.dge.de/presse/pm/gut-fuer-die-gesundheit-viel-gemuese-und-obst-weniger-fleisch/

Podcast „Wir essen uns krank“: https://open.spotify.com/episode/1dzFfnPBpwwviDvUV4OeXX

Veganguide e.V., Veganer Einkaufs- und Restaurantführer Nürnberg & Mittelfranken: https://www.veganguide-nuernberg.de/

Veggie-Challenge: https://veggiechallenge.de/

Vegetarische Rezepte: www.veggies.de