Solidarische Landwirtschaft SoLaWi und das Grüne Wahlprogramm

Es ist eine der zentralen ökologischen Fragen unserer Zeit:
Wie stellen wir unsere Lebensmittel her und wie verbrauchen wir sie?
Die heute vorherrschende industrielle Landwirtschaft zerstört auf lange Sicht unsere Böden, verschmutzt unser Wasser und bedroht unsere Artenvielfalt. Sie gefährdet damit die nachhaltige Versorgung der Menschheit mit Lebensmitteln. Quälerische Massentierhaltung, Monokulturen, Güllefluten und massenweise chemisch-synthetischer Dünger, Insekten- und Ackergifte: All das ist auf lange Sicht extrem schädlich für unsere Lebensgrundlagen. Deshalb wollen wir Grüne eine Agrarwende.“ So steht es in unserem Wahlprogramm.

Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, haben meist nur die Wahl, entweder die Natur oder sich selbst auszubeuten. Ihre Existenz hängt von Subventionen und  Markt- bzw. Weltmarktpreisen ab. Beides sind Faktoren, auf die sie keinen Einfluss haben und die sie häufig zwingen, über ihre persönliche Belastungsgrenze sowie die von Boden und Tieren zu gehen, oder ganz aus der Landwirtschaft auszusteigen. Auch der ökologische Landbau ist von diesem Mechanismus nicht ausgenommen.

Einen Ausweg aus der Krise, bei der Bauern und Bäuerinnen genauso auf der Strecke bleiben wie Tiere, Umwelt und die Qualität unserer Nahrungsmittel, bietet ein Modell, das weltweit immer mehr Anhänger findet: die Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi).

Durch die Kooperation von Erzeuger*innen und Verbraucher*innen können die Bäuer*innen hochwertige Lebensmittel auf nachhaltige Weise erzeugen. Die Verbraucher*innen erhalten regelmäßig eine Vielfalt an frischen und regional erzeugten Produkten. Es entsteht eine faire und wertschätzende Handelsbeziehung, bei der jede Seite die Verantwortung für das Wohl der anderen Seite übernimmt. So wird der beteiligte Hof finanziert und das einzelne Lebensmittel verliert seinen Kilopreis.

Solawi ist eine Win-Win-Situation für
… die Bäuer*innen, denn sie erhalten

  • die Sicherheit, dass die Gemeinschaft sich neben der Ernte auch die Risiken teilt, denen ein landwirtschaftlicher Betrieb immer ausgesetzt ist (wie Witterung, Schädlingsbefall, o.ä.)
  • die Sicherheit, dass ihre Ernte abgenommen wird
  • eine faire Entlohnung
  • die Möglichkeit, wieder selbstbestimmt zu arbeiten und dem Tierwohl gerecht zu werden.

… die Verbraucher*innen, denn

  • sie erhalten regelmäßig frische, vielfältige, regional und biologisch angebaute Lebensmittel
  • durch gegenseitiges Vertrauen entsteht eine persönliche Beziehung, die auch Krisen übersteht.

… die Region, denn

  • die Wertschöpfung bleibt vor Ort
  • durch eine regenerative Landwirtschaft wird auch dem Klima- und Artenschutz Rechnung getragen: durch Humusaufbau, vielfältige Fruchtfolgen, eine wassersparende Anbauweise und kurze Transportwege
  • durch bedarfsgerechten Anbau wird der Lebensmittelverschwendung entgegengewirkt.

Der Zuwachs an Solawibetrieben ist enorm. Bis 2003 gab es in Deutschland lediglich 3 SoLaWis. Mittlerweile sind es schon 363 und 77 befinden sich in Gründung.
Die Erlanger SoLaWi gründete sich 2014 mit 25 Aktiven und 2 Bauern. Sie ist mittlerweile auf 140 Ernteteiler*innen angewachsen.

Vielleicht schaffen wir es ja, dem beeindruckenden Beispiel von HANSALIM (= alles Lebendige bewahren) in Südkorea zu folgen. Hier wurde vor über 30 Jahren in der Umgebung von Seoul eine Genossenschaft aus Bäuer*innen und Abnehmer*innen in der Stadt gegründet, als „Antwort auf die Probleme der Gegenwart: ein entgrenzter Kapitalismus … und die Übernutzung der natürlichen Ressourcen.“ Heute werden hier täglich 2 Millionen Menschen mit regionalen Lebensmitteln versorgt und den Bäuer*innen wird mit fairen Preisen ein würdiges Leben ermöglicht.

Links:
https://solawi-erlangen.de/
https://www.gruene.de/themen/agrarwende
https://www.solidarische-landwirtschaft.org/startseite
https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2019/marketing/hansalim-zu-tisch-genossen