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In Bubenreuth endet die Idee der Klimaneutralität am Stellplatz

Wieder einmal wurde die Chance verpasst, zeitgemäße und zukunftsgerichtete Weichen zu stellen, indem man eine Stellplatzsatzung formuliert hätte, die wirklich Einfluss nimmt auf eine nachhaltige Mobilität mit weniger Individualverkehr. Einzig und alleine positiv zu bewerten ist die Pflicht, ab 3 Wohneinheiten auch 2 Fahrradabstellplätze vorzuweisen. Aber auch hier hätten wir uns gewünscht, dass entsprechend der Anzahl der Wohnräume Fahrradabstellplätze vorgesehen werden müssen, da in der Regel fast jedes Haushaltsmitglied heutzutage mindestens 1 Fahrrad besitzt.

In der Bauausschusssitzung am 15.3.2022 wurde in kleiner Runde mit Vertretern aller Fraktionen sehr kontrovers über eine unserer Meinung nach dringend notwendige Verkehrswende über eine Reduzierung der bei Bauvorhaben geforderten Stellplätze diskutiert. In unseren Augen sind die weiterhin geforderten 2 Stellplätze pro Wohneinheit > 80 qm, Einfamilien-/Reihenhaus oder Doppelhaushälfte nicht zielführend, wenn wir in den nächsten 10 Jahren die Autoanzahl halbieren müssen, um das 1,5°-Ziel zu erreichen. Gleichzeitig belastet jeder zusätzliche Quadratmeter versiegelter Fläche die Umwelt.

Das Beispiel der Nachverdichtung in der Hans-Paulus-Strasse zeigt, zu welchem Ortsbild der Flächenverbrauch durch Parkplätze führt und dass dann kein Platz mehr für Grün, Spielen und Leben bleibt.

Eine aktuelle Studie der Stiftung „Lebendige Stadt“  hat die Einflussfaktoren ermittelt, die zu einem reduzierten Stellplatzschlüssel beitragen: es sind eine hohe Quartiersdichte, geringe Haushaltsgröße sowie kurze Wege zu ÖPNV, Nahversorgung und anderweitigen Angeboten des täglichen Bedarfs. Die meisten dieser Bedingungen liegen in vielen Wohnbereichen von Bubenreuth vor und hätten unserer Meinung nach in der neuen Stellplatzsatzung berücksichtigt werden müssen.

Am Beispiel eines Wohnquartiers in Freiburg (Vauban 1992, > 5000 EW) konnte ich in der Bauausschusssitzung aufzeigen, dass ein reduzierter Stellplatzschlüssel zu weniger Pkw pro Einwohner führte und nur ein Drittel vom Landesdurchschnitt in Baden-Württemberg beträgt (157 statt 524 Pkws/1000 EW!). Teilgebiete des Viertels wurden sogar ganz von der Stellplatzpflicht befreit. Die mehr als 500 autofreien Haushalte profitierten von geringeren Baukosten (bis zu -25.000 €) und einer höheren Lebensqualität im Quartier durch weniger Verkehr. Diese autofreien Zonen haben sich mittlerweile zu den attraktivsten Wohngebieten in Vauban entwickelt.

Leider orientierten sich die anderen Fraktionen nur an dem Status quo, d.h. der aktuellen Anzahl von Pkws in Bubenreuth, die in den letzten Jahren eher zu- als abnahm. Wie das Beispiel Vauban zeigt, werden wir aber eine Mobilitätswende nicht dadurch erreichen, indem wir den vorhandenen Autos immer ihren Platz zur Verfügung stellen, anstatt Menschen anzuziehen, die sich durchaus ein Leben ohne oder mit weniger Autos vorstellen können. Die gute Anbindung von Bubenreuth an Bus und S-Bahn sowie die Fahrradnähe zu Erlangen hätten die Voraussetzungen für mutigere Schritte geboten.

Da unsere Argumente im Bauausschuss nicht gefruchtet hatten, hätten wir dieses wichtige zukunftgestaltende Thema „Stellplatzsatzung“ gerne im Gemeinderat mit allen GR-Mitgliedern diskutiert, am besten noch mit Verkehrsexperten wie Prof. Kipke. Eine mögliche Diskussion war jedoch nicht gewollt und wurde vom Bürgermeister am Anfang der GR-Sitzung am 22.2.2022 sofort im Keim erstickt. So wundert es nicht, dass die Abstimmung entsprechend der Mehrheiten 12 : 4 ausfiel und damit die notwendige Transformation auch im Verkehrsbereich weiterhin verhindert wird.

Ele Dirsch

Fahrradfreundlichkeit „Erfahren“

Am Sonntag 08.03.2020 sind 25 Bubenreuther Radfahrer*innen unserer Einladung gefolgt, bei Sonnenschein die „Fahrradfreundlichkeit“ unserer Gemeinde zu „erfahren“.

Los gings am Rathaus, der offiziellen Radroute nach Erlangen folgend, über den Eichenplatz, durch die Damschkestr. und durchs „Mausloch“. Von dort weiter am Radweg an der A73 Richtung Möhrendorf, über die Autobahn, am Gewerbegebiet Bruckwiesen vorbei, durch die Bahnunterführung S-Bahn, dann auf der Hauptstr. zum Endpunkt Friedhof.

An den kritischen Stellen haben die Bürger*innen ihre Erfahrungen als Radverkehrsteilnehmer geteilt und Verbesserungsvorschläge diskutiert. Wir haben die Einschätzungen/Äußerungen der Teilnehmer*innen notiert und in folgender interaktiven Karte notiert (Ein „klick“ auf die Radsymbole zeigt die Befunde an den kritischen Stellen, ein „klick“ auf die Fotodrops die Beweisfotos).

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Der Gesamtbefund ist erschütternd!

Es gibt 0! km reine Fahrradwege, etwa 1.5km geteilte Fuß-/Radwege in Bubenreuth.
Auf den beiden offiziellen Radstrecken Nord-Süd und West-Ost fehlt es häufig an Markierungen, Beschilderung und Sichtbarkeit. Autofahrer haben Vorrang, enge Kurven werden „geschnitten“, ihnen fehlt oft die Aufmerksamkeit und Übersicht für Radfahrer. Radfahrer*innen fühlen sich oft unsicher und als Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse. Es mangelt insgesamt an geeigneter Fahrradinfrastruktur: Sichere Stellplätze fehlen an ÖPNV Punkten und Geschäften, Bordsteinkanten sind oft nicht geeignet abgesenkt, Wege oft zu harsch/spitz um die Ecke gezogen. An einigen Kreuzungen ist das intendierte und das StVO – konforme Radverhalten völlig unklar/rätselhaft, der Fluß durch unseren Ort wird für Radler oft unterbrochen. Eltern haben Sorge, ihre Kinder alleine mit dem Fahrrad losfahren zu lassen. Radfahrer*innen fühlen sich an vielen Stellen als Verkehrsteilnehmer „2. Klasse“.

Kann dieser schwer kränkelnde Patient „Radinfrastruktur Bubenreuth“ noch therapiert werden?

Wir glauben: JA, mit etwas MUT, pragmatischen Ansätzen und der Kreativität und Kompetenz unserer Bürger*innen UND mit dem richtigen politischen Willen und Priorität in unserem Rathaus.

Am 15. März 2020 GRÜN wählen.

 

Wie fahrradfreundlich ist Bubenreuth?

Bündnis 90/Die Grünen Bubenreuth laden alle Bubenreuther Radfahrer*innen ein zu einem Fahrradausflug durch Bubenreuth am

Sonntag 08.03.2020, 14:00 Uhr, Startpunkt: Rathaus (Birkenallee 51, 91088 Bubenreuth)

wir-laden-ein-zum-fa

Wir wollen gemeinsam die Schlüsselstellen in unserem Ort „erfahren“, um Ideen für ein fahrradfreundlicheres Bubenreuth zu sammeln. Ab 16 Radfahrer*innen kann der Ausflug im „critical mass“ Stil erfolgen.